Google nicht willkommen im Berliner Bezirk Kreuzberg

Googles Drehkreuz in Berlin, das noch in diesem Jahr eröffnet werden soll, wird der jüngste Vorposten der kalifornischen Startkultur in Europa sein. Das neue Berliner Drehkreuz – 3.000 Quadratmeter Bürofläche, ein Café und ein Coworking Space in einem einst verfallenen Industriegebäude – soll der jüngste Vorposten der kalifornischen Gründerkultur in Europa werden.

Städte von Seoul bis Tel Aviv haben Google mit offenen Armen empfangen, aber im Bezirk Kreuzberg hat sich der Silicon Valley-Riese an der Front des Gentrifizierungsgrabenkrieges wiedergefunden. Aber eine Kampagne hat jüngst damit begonnen, monatliche Demonstrationen auf dem Gelände des zukünftigen “Campus” zu organisieren.

Der stumpfe Slogan der Kampagne wurde auf die Plakat- und Graffitischichten geschmiert, die den gesamten verfügbaren öffentlichen Mauerraum im kunstvollen, multikulturellen und linken Kreuzberg bedecken und die Brücken entlang des mit Bäumen gesäumten Kanals schmücken. “Es ist extrem gewalttätig und arrogant von diesem Megakonzern, dessen Geschäftsmodell auf Massenüberwachung basiert und der wie verrückt spekuliert, sich hier niederzulassen”, sagte ein Protestführer, der sich nur durch seinen Decknamen Larry Pageblank identifizieren ließ. Da das angesagte Berlin immer mehr Menschen anzieht und die Wohnungspreise stetig steigen, “nimmt die Gentrifizierung Fahrt auf und schon werden viele Menschen aus dem einstmals arbeitenden Kreuzberg hinausgeworfen”, forderte er.

Tatsächlich ist Berlin kein Unbekannter in der Tech-Kultur, und viele IT-Neulinge locken Programmierer mit kostenlosen Bieren, Snacks oder Massagen im Büro und hierarchielosen Führungsstrukturen in die Hauptstadt. Google betreibt bereits einen Kooperationsraum, die so genannte “Factory” im wohlhabenden Hipsterviertel Prenzlauer Berg. “Der Raum soll offen sein für andere Menschen, die sich für Unternehmertum und Existenzgründungen interessieren”, sagt Google Deutschland-Sprecher Ralf Bremer. Nur fünf Mitarbeiter des kalifornischen Unternehmens werden Vollzeit am Standort arbeiten, während Dutzende von “Bewohnern” in einem technischen “Inkubator” auf Mezzaninebene an ihren eigenen Ideen arbeiten werden.

Aber Gegner wie Larry Pageblank sind davon nicht überzeugt. “Sie werden eine Batteriefarm für die Ernte von Ideen, Talenten und Projekten gründen und diese dann in das Google-Imperium einbauen – über Irland und die Niederlande, um Steuern zu vermeiden”, sagt er voraus.